Wacken 2008

Samstag (02.08.2008)


Mercenary


Die Dänen mit ihrer Mischung aus Melodic Death und Progressive Metal ließen es am Samstag morgen gleich richtig krachen und brachten viel gute Laune mit. Leider verwischte der Sound unter dem zu laut gepegelten Keyboard, was einem guten Auftritt das letzte I-Tüpfelchen nahm. Dennoch definitiv ein Gewinn für Wacken.


Hatebreed


Die Erwartungshaltung war groß. Schließlich spielte mit Hatebreed die Messlatte des modernen Hardcores. Der Sound war einmalig und die Nackenmuskeln zuckten schnell vor lauter Vorfreude. Die Sonne tat ihr übriges, dass der Schweiß alsbald in strömen floss. Doch ist auf die volle Spielzeit das Konzert doch eher was für Genrefans, da sich bei allen anderen schnell Monotonie einstellt. Ein reißender Rhythmus ist auf lange Sicht einfach zu wenig. Für Fans des Hardcores ein Fest.


Evocation


Ein wahrer Leckerbissen des WOA 2008 wurde am Samstagnachmittag im Zelt versteckt. Mit Evocation verbuchte man eine Melodic Death Metal Combo, die Anfang der Neunziger gegründet und von den Kritikern gefeiert wurde, nur um wieder in der Versenkung zu verschwinden. 2005, gute zwölf Jahre später machte man sich an eine Reunion und feuerte mit Tales of the Tomb wieder einen Hammer ab und arbeitet seither aktiv am Bandbestehen. Die wenigen hundert Anwesenden im Party Tent wurden mehr als belohnt. Dies ist Death Metal im ganz großen Stil. Die wegen der Metaldisco vielgelobte Anlage tat ihr übriges dazu. So wurde schnörkel- und effektlos ein starke Show geliefert, die man so nur von etablierten Metal Bands erwarten darf. Respekt. Aber woher als aus Schweden sollte guter Death-Metal auch kommen.


As I lay dying


As I lay DyingNun kam mitAs I lay dying der offizielle Tour – Support vonKillswitch Engage auf die Bühne und zeigte mit seiner starken Thrash-Metal und Hardcore lastigem Metalcore vielen Metalheads die Grenzen ihrer Nackenmuskulatur auf. Diese noch sehr junge amerikanische Band hat garantiert eine große Karriere vor sich, da sie eine gute Balance zwischen Melodie und Härte gefunden hat. Definitiv mit Unearth und Killswitch Engage (KSE) jetzt schon eine der großen Metalcore Bands, wenn auch noch die Kanten geschliffen werden müssen, will man an KSE vorbeiziehen.


Carcass


Wieder einmal kann das WOA mit einer Reunion glänzen. Die Wiederauferstehung der Carcassschon totgeglaubten Grindcore Band Carcass war zu feiern. Der Wiedereinstieg Michael Ammots gab den entscheidenen Ausschlag es noch einmal zu versuchen, und der exzellente Gitarrero, der so mal im Vorbeigehen die Band Arch Enemy gründete, spielte all seine Klasse auf der Bühne aus. Die Oldies zeigten vielen Jungen Kollegen mal, wie man richtig Dampf machen kann. Ein krasses Kontrastprogramm den beiden Vertretern des Metalcores, die vor und nach Carcass spielten. Doch setzte dies sicher den Grundstein zu einer neuen Fangemeinde, da dieser Auftritt auch nicht an Killwitch Anhängern spurlos vorbeigegangen sein kann. Wirklich ergreifend war der Auftritt des ehemaligen Carcass - Schlagzeugers Ken Owens, der eine Generation an Schlagzeugern beeinflusste und nach einer Gehirnblutung auf dem Wege der Besserung in der Lage war einen Song mitzuspielen. Ein schöner Zug der Band und der Veranstalter.


 Krypteria


KrypteriaDieursprünglich für ein Musical gecastete Band, die nach einem Wechsel der Sängerin nun dem Bereich Symphonic Metal zu zuordnen ist, spielten einen  guten Auftritt, bei dem vor allem der  Gesang eindeutig hervor zu heben ist. Der Rest der Musik bot wenig Neues. Nichtsdestoweniger kann man von einer überzeugenden Show sprechen.


Killswitch Engage


Killswitch EngageDie Könige des Metalcores in Wacken. Keine andere Band versteht es Eingängigkeit und Härte so auf den Punkt zu bringen. Die Growls, Screams und cleanen Vocals von Howard sind unglaublich. Gerade der cleane Gesang umnebelt geradezu den Zuhörer und hinterlässt einige Gänsehautattacken. Hinzu kommt ein Adam D., der nicht nur für seine aberwitzigen Auftritte bekannt ist, sondern stimmlich Howard kaum nachsteht und so im Background die Voices abrundet. „For you“, „Numbered Days“, „My last serenade“,  und das überragende „End of Heartache“ durften natürlich nicht fehlen.  Ein Wahnsinnsauftritt der ersten Klasse und doch nicht ganz an den von Unearth heranreichend, was persönlich ein wenig enttäuschte. Dennoch definitiv ein starker Co-Headliner.


Nightwish


In dieser Form kein Headliner. Die Lichtshow und der kristallklare Sound waren eindeutig die positiven Argumente, die die Symphonic Metal Vorzeigeband in die Waagschale geworfen hat. Anette Olzon, ihrerseits Leadsängerin seit 2007 beNightwishi Nightwish fehlt einfach noch zu viel. Gute Ansätze sind zu erkennen, ebenso wie ein nettes Wesen, doch ist das gleichzeitig eine Ihrer Schwächen. Die „gute Laune mit Piepsestimme-Ansagen“ nehmen viel der Atmosphäre, die während den Songs aufgebaut wird. Hinzu kommen Unsicherheit und fehlende Präsenz, die entweder generell an der Austrahlung liegt oder falls erlernbar, einfach noch nicht vorhanden ist. Auch sollte sich Nightwish überlegen, die alten Songs ad acta zu legen, da jeder dieser Song Anette zur „Neuen Sängerin“ macht und auch ewig bleiben lässt, da sie Richtung Oper einfach nicht die gleiche Quailität besitzt und so nicht ihre eigenen Stärken ausspielen kann. Dafür springt Marco Hietala in die Bresche, der sich immer mehr zum Leadsänger entwickelt. Das merkte man auch der Menge an, die nicht so richtig in Fahrt kommen wollte. Der Name und die Spieltzeit lassen mehr erwarten. Für mich die Enttäuschung des diesjährigen WOA.


At the Gates


Nie hätte ich gedacht einmal die Chance zu bekommen, die Wegbereiter des Göteborg- , sprich Metodic Death Metals einmal live erleben zu können, löste sich At the Gates doch 1995 bereits fünf Jahre nach Gründung schon wieder auf und At the GatesVerabschiedete sich mit dem Death Metal Meilenstein „Slaughter of the soul“. Dreizehn Jahre später hat sich nichts an der Energie verloren und reißen eine rießige Menschenmenge mit. Anscheinen wurde man trotz der Auflösung bis heute nicht vergessen, woran sicher auch In Flames und Dark Tranquillity mit verantwortlich sind, die in dieser Zeit den Melodic Death Metal populär bis hin zu kommerziell machten. Lindberg hat von seiner starken Stimme nichts verloren und die Songs rocken einfach und lassen anwesende „In Flames“ Fans wehmütig werden, da sie an deren glorreichen Anfangstage erinnern. Ein großer Auftritt, den ich einer Band, die so lange nicht gespielt hat, nicht zugetraut hätte.


Kreator


Das deutsche Urgestein des Thrash Metals durfte das WOA von der Black Metal Stage verabschieden und tat dies mit Volldampf. Trotz der treibenden, eingängigenKreator Riffs bekam dieses Konzert einen epischen Charakter, durch Lichtshow undEffekte und einer starken, über nunmehr schon über sechsundzwanzig Jahren aufgebauten Bühnenpräsenz. Persönlich haderte ich  mit Mille's gesanglichem Repertoire, dass in dieser Zeit ruhig auch ein wenig größer hätte ausfallen können. So hätte sich, währe nicht die bannende Atmosphäre über allem gelegen, wohl schnell Langeweile ausgebreitet. So gab es eine Riesenparty die in dem Klassikern Flag of Hate ihren Höhepunkt fand. Ein gelungener Abschluss dieser Bühne.

Lordi


LordiSpätestens seit dem Grand Prix Gewinn dürften Lordi auch Nicht-Metal Fans ein Begriff sein. Als Abschlussband waren Lordi brillant platziert und die Show entschädigte für vorangegangene Strapazen. Über die Musik kann man sicherlich geteilter Meinung sein, aber Lordi schafften es noch einmal die müden Glieder und die strapazierten Nacken zu rhythmischen Zuckungen zu bewegen. Ein denkwürdiger Abschluss für ein denkwürdiges Festival.

 

Fazit

Die Gefahr der Wiederholungsfalle ist doch recht hoch, will man von vom größten Metal Festival Europas berichten, da Wacken durchaus als Maßstab für ein gut organisiertes Festival herhalten kann. Wieder einmal passte nahezu alles angefangen von einer stets präsenten, aber freundlichen und im Hintergrund haltenden Security, die ganz dem Motto der Veranstalter: „So viel Freiheit wie möglich für Besucher als auch die Künstler“ agierten. Wieder einmal demonstrierten Thomas Jensen & Co. Ihre Lernfähigkeit. War doch größter Kritikpunkt das Handling der großen Menschenmassen (75000 Besucher), das man gleich in mehreren Punkten optimierte.

Angefangen mit einer neuen Vekehrsbeschilderung und -führung, die dazu führte, dass so gut wie kein Stau aufkam. Hinzu hat man das Festivalgelände um zwei weitere Eingänge erweitert, die jedoch nicht richtig vom Punlikum angenommen wurden. Auch hier hat man schon mit der Einführung eines Art Ampelsystems schon einen Plan zur weiteren Optimierung in der Hinterhand.

Auch gab es Anstrengungen mehr Platz vor den Bühnen zu schaffen, die wahrscheinlich aus dem Auftritt von In Flames im Vorjahr resultierten, wo man sich das einzige mal in Wacken 2007 wie eine Sardine in der Dose vorkommen konnte, da wahrscheinlich alle 75.000 In Flames sehen wollten. Die Stände zwischen der Party Stage und den beiden Hauptbühnen wurden entfernt und somit wurde der Durchgang, der im Vorjahr öfters ein Engpass darstellte weggenommen und gleichzeitig der Platz vor der True Metal Stage, auf der die Headliner agierten in der Breite deutlich erweitert. Dazu beigetragen hat noch die Entscheidung die Black und True Stage öfters gleichzeitig zu beschallen, das in Verbindung mit den drei großen Videoleinwänden an den Bühnen auch für Platz in der Breite sorgte, da man für einen guten Sound nicht mehr zwingend frontal vor der Bühne stehen musste.

Auch bleiben einem solche Dinge wie die halbe Millionen, die letztes Jahr in die Bemühungen für ein trockenes Gelände geflossen ist einfach im Kopf. Dieses Jahr wurde eine weitere halbe Millionen in das Gelände investiert. Unter anderem für die Verwendung einer mobilen Baustrasse statt Kies für den Aufbau der Bühnen, dass das Gelände nicht den landwirtschaftlichen Nutzen verliert. Alte Drenagen wurden erneuert und weiter verlegt, um einer Schlammwüste vorzubeugen und eine offzielle Bushaltestelle gebaut.


Positiv herzuheben ist auch der Metal Battle, an dem nur Bands ohne Plattenvertrag teilnehmen können eine tolle Förderung und Präsentation bisheriger NoNameBands einem breiten Publikum und den Labels gegenüber. Nebenbei wurde auch noch eine Stiftung zur Unterstützung geschädigter MetalFans und aufstrebender MetalBands eingerichtet, da die Veranstalter dem Metal, der sie mitunter dorthin gebracht hat, wo sie jetzt stehen wieder etwas zurückgeben wollen.

Kurzum fühlt man sich in Wacken wohl und gewinnt den Eindruck, die Profitgier stehe weit im Schatten des Wohles der Besucher und Künstler und man denke immer zwei Schritte voraus, was man auf das Folgejahr optimieren könne.

Für jeden, der Wacken noch nie erlebt hat, seien die Vorteile den meisten Festivals gegenüber noch mal kurz aufgelistet. Wer sie in aller Ausführlichkeit nachlesen will, den möchte ich hiermit auf den Bericht aus dem Jahr 2006 verweisen.


  • Ausgelassene und dennoch immer freundliche Stimmung
  • Lange Spielzeiten (Fast alle Bands spielen eine Stunde oder länger)
  • 1a Sound bei fast allen Bands und nicht nur bei den Headlinern (was man von Europas größtem Rockfestival Rock am Ring / im Park nicht behaupten kann)
  • Gute, stimmige Bandauswahl
  • gutes Festivalgelände mit ausreichend Platz
  • gute Organisation

Leider haben Jensen, Hüber, und Frau Heesen noch nichts über mögliche Headliner für das Jubiläumsfestival 2009 rausgelassen, jedoch nicht gänzlich die Spekulationen über Metallica dementiert. Doch stellten die drei klar, dass sie die frühzeitige Bekanntgabe von Iron Maiden noch vor Ablauf von Wacken 2007 als Fehler betrachten und daher den Fokus dieses Jahr auf 2008 legen wollten. Dem Verkauf des „X-Mas“ Tickets tat dies kein Abbruch, da das Kontingent der zehntausend Spezialtickets für 2009 schon nach kaum mehr als 24h wieder ausverkauft war.

Donnerstag - Freitag - Samstag

Oliver Fritsch, Christian Schneider

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