Wacken 2008

Freitag (01.08.2008)


Primordial


Was ein Rutsch in den Freitag. Primordial auf dem WOA. Irritiert war ich lediglich nur durch die Uhrzeit, die man der irischen Band um Ausnahmesänger Alan Averill eineräumt hat. Heimste man doch mit dem letzten Release „To the nameless dead“ ausschließlich positive Kritiken ein, was bis hin zum Album des Monats beim Metal Hammer ging. Daher fehlte natürlich schon mal der entsprechende Rahmen, da die schweren tragenden Melodien den Hörer natürlich viel mehr in ihren Bann ziehen, wenn nicht gerade die Sonne auf den Wanst herunterbrennt, sondern eher der Nachthimmel über einen steht. Hinzu kam ein mäßiger Sound, der bei den meisten Bands schließlich den Totalausfall garantiert hätte, doch die gewohnt starke Performance sorgte dennoch für ein Konzert des Prädikats befriedigend. Schade, wenn man weiß, was in dieser einzigartigen Combo steckt.


Unearth


Der UnearthÜberhammer. Kompromisslos wie erwartet zogen Unearth von dannen und entfachten unter gut 30.000 Anwesenden binnen weniger Herzschläge ein headbangendes und Pogo-fanatisches Tollhaus.   Leider waren dieUnearth Gitarren ein wenig zu leise gepegelt, was allerdings nicht viel machte, da es voll auf die zwölf gab. Auch der einsetzende und auch fast durchgängig währende Platzregen konnte kaum jemanden vertreiben, heizte im Gegenteil die Party nur noch mehr an. Nach diesem Hammer, hätte man gut Dawn of the dead aus dem Stehgreif erneut drehen können. Mit Sicherheit einer der stärksten, wenn nicht „Der Beste“ Auftritt vom WOA 2008. Diese Band versteht ihr Handwerk und ist  mit ihrer aktuellen Scheibe „The March“ endgültig aus dem Schatten von Killswitch Engage getreten, wenn ich mir auch schon immer schwer getan habe Unearth dem Metalcore zuzuordnen, da sie eher back to the roots Richtung Melodic Death Metal tendieren und oftmals Thrash mit einfließen lassen.


Autumn


Mit viel Spannung erwartete ich so gut es nach Unearth noch ging die Gothic Metal Band AutumnAutumn, die vor allem in Ihrer Heimat Niederlande schon für einige Furore gesorgt hatten und wurde eher enttäuscht. Es war zweifellos ein guter Auftritt, doch hätte ich mir deutlich mehr Elan und auch hier und da ein wenig mehr Stimmgewalt erhofft. Hinzu kam noch das Zeltstandardproblem, dass öfter mal die Hauptbühne so drückt, dass man es noch im Zelt hören kann, auch wenn dort gespielt wird. So bleiben für mich Autumn weiterhin ein Schatten besserer Bands dieses Genres wie beispielweise After Forever und Nightwish.


Sonata Arctica


Spielfreudigkeit und Engagement in einer guten Darbietung mündened war Sonata Arcticadefinitv das positive, was man Sonata Arctica abgewinnen konnte. Der für mich grauenhaften Stimme als auch dem Power Metal an sich werde ich hingegen wohl auch in zehn Jahren noch nichts abgewinnen können. Da hier jedoch ein stark subjektiver Faktor mit einfießt, will ich fair bleiben und betonen, dass es wirklich ein guter Auftritt war, der sogar einem Genreverachter wie mir phasenweise recht gut gefallen hat.


Opeth


Wieder einmal muss ich feststellen, dass die Todesmetaller aus Schweden mit ihrer sehr eigenen Interpretation von Deep Purple und Led Zeppelin einfach keineFestivalband sind. OpethWieder einmal ein guter Auftritt aber eben einfach nur gut. Da ich dieser Band zuhause schon fast einen eigenen Schrein ihrer Genialität wegen aufgestellt habe ist das recht wenig. Hat man sie einmal in einer kleinen netten Location in einer gemütlichen Runde über 2-3h live erlebt, weiß man wieso ich so hart urteile, da dies unvergessliche Momente sind. Zu erklären ist dies wahrscheinlich durch den starken Einfluss einiger Größen aus den siebzigern und der stark progressive Einschlag. Solch tragende, langsame und verspielte Momente passen einfach nicht zu Sonne, Alkohol und Party.


Children of Bodom


Es fällt mir schwer COB nicht schon wieder in die Tonne zu stecken. Liest COBman doch immer von der Fingerfertigkeit und Genialität eines Alexi Laihound den starken Kontrast durch Keyboarder Wirman. Diesen Enthusiasmus kann ich auch auf Platte durchaus nachvollziehen, doch überzeugt mich auch der nunmer schon vierte Auftritt COB's nicht. Das hört sich einfach nach einer Einheitspampe an. Die Band ist so verspielt, dass das Ganze vernachlässigt wird, was insbesondere live sich dann widerspiegelt, da es da generell viel schwerer fällt Instrumente individuell auseinander zu halten. Da sag ich mich weniger ist manchmal mehr.


Corvus Corax


An diesem Abend war die Uraufführung des neuen Silberlings von Corvus Corax, Cantus Buranus II, angekündigt. Zur Unterstützung der Stammmannschaft waren das Filmorchester Babelsberg und der Passionata Chor Berlin mit auf der Bühne. Corvus CoraxDies versprach einen Musikgenuss erster Klasse. Während der erstenStücke war das Publikum noch sehr zurückhaltend, obwohl  die musikalische Darbietung vom Feinsten war. Im Laufe des Auftritts sprang aber Funke über, um sich beim letzten Stück (O Varium Fortune)und gleichzeitigem Höhepunkt zu Begeisterungsstürmen zu erheben. Trotz der vehementen Forderung des Publikums nach einer Zugabe, konnte dieser Wunsch nicht erfüllt werden, da die Running Order wenig zeitlichen Spielraum ließ und Black Stage für Gorgoroth umgebaut werden musste.

Gorgoroth


Verwundert starrte das Publikum auf die mit einem schwarzen Vorhang verhüllte Bühne. Was würde wohl hinter dem Vorhang sein?  Als der Vorhang fiel, Gorgorothgab er denn Blick auf  vier gekreuzigte Gestalten und einige Lammköpfe (nicht Schafsköpfe!!) frei. Nachdem sich die erste Verwunderung gelegt und bei manchen die Schockstarre gelöst hatte konnte es losgehen. Gorgoroth gaben sofort Vollgas und da sich die Band stilecht bemalt und mit Blut beschmiert hatte, kamen Black Metal Fans voll auf ihre Kosten. Die Band spielte einen routinierten Auftritt der vielen, auch auf Grund des Bühnenbildes, in Erinnerung bleiben und für Diskussionsstoff sorgen wird.

Avantasia


Avantasia. Wer ist denn das, dachte ich mir und sollte fortan diesen Namen nichtmehr vergessen. AvantasiaHinter diesem steht das Soloprojekt von Tobias Sammet, den meistenwohl als Sänger von Edguy ein Begriff. Nach den ersten Tönen schon schier im Begriff zu gehen, kam die Erkenntnis, dass dies kein weiterer Power Metal Salat a la Sonata Arctica ist. Da steckt mehr dahinter. Daher blieb ich stehen, ließ so manchen technischen Ausfall über mich ergehen, wie beispielsweise das ausgefallene Mikro das erst nach einem Song aufgefallen ist und durch ein weiteres defektes ersetzt ward und wurde immer mehr in den Bann Avantasias gezogen. Was sich dort auf der Bühne Abspielte konnte wirklich als die „Metal Opera“, wir die ersten zwei Alben betitelt sind, bezeichnet werden. Dieser Metal / Hardrock mit dieser Prise Musikal lässt sofort an Arjen Lucassen's bombastische Projekt Ayreon denkenAvantasia. Und diesem steht Avantasia in nichts nach. Viele starkte Gastsänger wurdenmit eingebunden. Doch die Präsenz Sammets auf der Bühne war überragend. Nach zwei Stunden konnte ich nur ein Fazit ziehen. Dies ist der einzig und wahre Headliner von Wacken 2008. Ich ziehe meinen Hut vor einem der größten Künstler dieses Zeitalters. Ohne auch nur eine Note seines Schaffens zu kennen, verzauberte er mich in dieser kurzen Zeit. Das war Musik von einem anderen Stern. Und wieder werde ich in meiner Meinung bestätigt. Wer sich in Wacken über den Tellerrand seiner musikalischen Grenzen hinauswagt, wird nahezu immer belohnt. Dies war das Beste, was ich bisher  auf einem Festival  gesehen habe. Danke Wacken.


Crematory


Noch völlig paralysiert ging es dann zu den ehemaligen deutschen Gothic-Metal-Genregrößen. Ein Auftritt auf der Party Stage war vielleicht dennoch ein wenig zu hart, auch wenn die Spielzeit durchaus angebracht war. Es brauchte ungefähr das halbe Konzert, um diese Heimanlage im Vergleich zur True Metal Stage zu verarbeiten. Doch Crematory ließ sich nicht bremsen und bot eine super Show, die lediglich durch den Bewegungsradius des inzwischen nicht mehr ganz so fidelen Gerhahrd Stass getrübt wurde. Mit der Zeit ließ sich diese Bühne dann in der Tat erklären, da nur bei sehr alten Songs richtig gute Stimmung aufgekommen ist. Die neueren Titel, die mittlerweile auch schon bis zu acht Jahre alt sind vermochten es auch live nicht den Bann zu brechen. Hoffen wir auf ein Back to the roots Album wie von Moonspell oder Paradise Lost vorgemacht, dass den Kreis zu schließen vermag und sowohl alt eingesessene als auch neue Fans überzeugen kann.

 

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Oliver Fritsch, Christian Schneider

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