Wacken 2006

Samstag (05.08.2006)


Caliban

Die „Metalcore“ – Band aus dem Ruhrpott hat sich inzwischen eine beachtliche Fanbase erarbeitet. Bereits seit neun Jahren aktiv, gestehen Ihnen einige Rezipienten sogar die Krone des Genres zu. Ihr letztes Outlet „The Undying Darkness“, von dem führenden Label der Metalcore –Szene Roadrunner veröffentlicht, schaffte es sogar auf Platz dreiundsiebzig der deutschen Albencharts. Die Bühnenqualitäten kommen jedoch nur annähernd an die Studioproduktion heran. Die Cleanen Vocals von Dennis Schmidt lassen zu wünschen übrig und die Growls von Andy Dörner verlieren an Härte. Insgesamt beschleicht einen das Gefühl, dass es bei dieser Band an Authentizität fehlt. An Indentität auf jeden Fall, da jeder Killswitch Engage – Fan Caliban nur als Abklatsch dieser sehen wird. Die Songstrukturen lehnen einfach zu stark an Killswitch an. Ich würde Caliban nicht mal als besten deutschen Metalcore – Act bezeichnen, da das aktuelle Release „Deaf to our prayers“ von Heaven Shall burn sich wesentlich beeindruckender präsentiert

Arch Enemy

Wahnsinn. Schon die Menschentraube um diese für ein Festival schon fast unchristliche Zeit war beeindruckend. Und das „frühe“ Aufstehen wurde belohnt. Eine Sängerin in der Death-Metal-Szene ist doch recht ungewöhnlich und man denkt zuerst an technische Unterstützungen der Stimme für die Growls. Doch was Arch Enemydie gebürtige Kölnerin Angela Gossow vor sich her grunzt ist einfach der Wahnsinn. Die seit 1996 um Bandleader Michael Ammott bestehenden Melodic – Death – Metaller waren mit der Integrierung der Frontrau gut beraten, da es seit dem Release „Wages of Sin“ mit der Band steil bergauf geht. Insgesamt birgt die Band eine starke Ausstrahlung, die einen sofort bindet. Dazu ein starker Sound und der ideale Auftritt war perfekt. Spätestens seit „Doomsday Machine“ zählt Arch Enemy zur Elite des Genres. Musikalisch und Live einfach ein Hammer.

Fear Factory

Für mich die Enttäuschung des Festivals. Meine Erwartungshaltung als Fan war natürlich entsprechend hoch. Das „Achetype“ Album ist für mich eines der besten Metal-Alben der letzten Jahre und hat sicherlich stark die Metalcore-Szene geprägt. Ihr Stil aus Industrial, Death und Trash ist einfach genial. Diese erzeugte Kälte und Emotionslosigkeit in den Vocals und durch die Drums bedingt einfach Fear Factoryeinzigartig. Insbesondere der Rhythmus des häufig im Double Base spielenden Schlagzeugs ist sehr prägnant und hat einen hohen Wiedererkennungswert. DerAuftritt hingegen war alles andere als rosig. Ich hatte ein Gewitter erwartet, aber nicht ein solches. Wenn auch Burton C. Bell nicht gänzlich seine Stimme verloren haben sollte war von dieser fast nichts zu vernehmen. Die Gitarren und das Schlagzeug bildeten einen Einheitsbrei, aus dem nicht viel heraus zu erkennen war. Kurz gesagt, der Sound war einfach miserabel, inakzeptabel. Und das von einer Band, die gerade in Punkte Präzision im Studio brilliert. Der Fairness halber, will ich mich an dieser Stelle nicht festlegen, ob es dem Mischer oder der Band selbst zu verdanken war. Der folgende Auftritt auf dem Summer-Breeze soll um Klassen besser gewesen sein.

Orphaned Land

Der große Gewinner und gleichzeitig größte Verlierer des Festivals. Die Israeli haben mit ihrem orientalisch und progressiv ausgerichteten „Death Metal“ die wenigen Zuschauer zum kochen gebracht. An einem heißen Nachmittag, bei Sonnenschein eine derartig schön melancholische Stimmung in Abwechslung mit einem krachenden Death-Metal-Gewitter aufzubauen ist sicher nicht einfach. Aber die Band um Ausnahmesänger Kobi Farhi war dermaßen einnehmend, dass man nicht bloß das Wetter vergaß. Einfach Umwerfend. Ich kann jedem empfehlen inOrphaned Land das aktuelle Outlet „Mabool“ reinzuhören, dem Bands wie Dark Tranquillity, Amorphis oder Opeth gefallen. Von Sound und Bühnenpräsenz her war Orphaned Land einer der Gewinner. Verlierer jedoch, weil nur sehr wenige Metalheads den weg zu dieser Band fanden (die kleinste Menge des Festivals). Ob das nun am Bekanntheitsgrad der Band oder an einem Boykott gegen Israels gegenwärtig verfolgte Außenpolitik liegt, kann ich nur mutmaßen. Mit diesem perfekten Auftritt, links liegen gelassen zu werden, hat die Band jedenfalls nicht verdient. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Band in Ihren Texten sich zum Glauben bekennt, aber mit aus Glaubensdifferenzen entstandenen Glaubenskriegen ins Gericht zieht, sich also einem der größten kommenden Probleme der westlichen Welt stellt.

Soulfly

Sepultura war, Soulfly ist Max Cavalera. Dieser Mann, der die Trash- und Tribal-Szene ins Leben gerufen hat ist einfach kult und hat mit „Roots, bloody Roots“ einen Alltime-Klassiker geschrieben. Seit 1997 prägt Cavalera nunmehr mit Soufly die Szene, und bei Sepultura spricht man seit seinem Ausstieg immer noch vom „neuen“ Sänger. Alle Bands, die in dieses Genre gepresst werden, wie zum Beispiel Ektomorf müssen sich dem Vergleich dieser beiden Bands stellen. Umso gespannter war ich auf die Live-Qualitäten von Soulfy. Doch das gelbe vom Ei war das wirklich nicht. Der Beat war schon mitreißend, aber eine Stimmung wie bei SoulflyEktomorf wollte bei mir nicht aufkommen. Irgendwie reizt Cavalera in seinem Songwriting sein ursprüngliches Strickmuster völlig aus. In Kombination mit einem zu dominanten Bass führte dies dazu, dass man die meisten Songs nicht recht auseinander halten konnte, der Langeweilepegel schnellte nach oben. Die einzigen Ausreißer im sonst doch recht monotonen Songgefilde waren die alten von Cavalera geschriebenen Sepultura-Songs gekrönt von den beiden genialen „Refuse Resist“ und „Roots, bloody roots“. Insgesamt also ein ordentlicher Gig, der bei mir allerdings die Frage, wieso diese Band besser als Ektomorf sein soll, offen lässt.

Lake of tears

Da hat es mich doch einmal ins Zelt verschlagen. Nachdem mich zwei Tage lang keine dort spielende Band reizen konnte, lockte der Hochkaräter Lake of Tears mit ihrem “Psydelic Rock“und einer Prise „Doom“. Die Band die sich insbesondere durch Ihr Gitarrenspiel und das starke Songwriting auszeichnet schuf 1995, ein Jahr nach der Gründung, mit „Headstones“ einen Meilenstein dieser Stilrichtung. Insbesondere der Titelsong wartet stark auf. Seither sind Lake of Tears eine Größe und auch doch wieder nicht, da Sie trotz Ihres Könnens eine relativ kleine Fangemeinde um sich versammelt haben. Wie bei Opeth scheint der Kommerz zum großen Feind erklärt worden sein. Auf der Bühne war Lake of tears überzeugend. Zumindest das Zelt hatten Sie voll im Griff. Mit „The Greymen“, „Drystopia“, „Netherworld“, „Sweetwater“ wurde den Fans so richtig eingeheizt. Kleiner Wehmutstropfen war das Missen ihres größten Songs: „Headstones“. Leider hörte man in den ruhigeren Phasen auch immer mal wieder „Whitesnake“ ins Zelt schallen.

Die Apokalyptischen Reiter

Die Reiter stehen wie Korpiklaani für feiern und Spass am Metal. Die Thüringer bringen jedes Publikum in Fahrt. So auch dieses Mal. Mit „Kleiner Wicht“ „The silence of sorrow“ oder „Erhelle meine Seele“ wurde richtig dampf gemacht. An diesem Tag konnte man auch sagen, dass die Fangemeinde „leider“ enorm gestiegen ist. Der Platz auf der Party-Stage hat einfach nicht für diesen Andrang ausgereicht. Das erste Mal in diesem Festival, wurde sich wohl jeder der Anwesenden, der Menschenmasse bewusst. Dass war einfach zuviel. Aber die Reiter retteten mit Ihrer üblichen guten Laune – Show die Stimmung. Der neue Cover-Song „Ghostriders in the sky“ war sicherlich der Höhepunkt. Nebenbei wurden auch die Pausen nett befüllt, da man den neuen Vorsitzenden des Fanclubs ehrte und auf einem Schlauchboot „Stage-diven“ ließ und einige Luftballons mit Gutscheinen für freien Eintritt der kompletten kommenden Tour und Fanpaketen steigen ließ. Mit dem neuen Release „Riders on the storm“ begeben sich die Reiter jedoch auf dünnes Eis, da man die Knüppelleidenschaft gänzlich außen vor gelassen hat. Der in „Samurai“ schon angedeutete Weg, die Melodie in den Vordergrund zu stellen und ruhiger zu werden wurde konsequent fortgeführt. Vergeblich wird man einen Song im Stile von „Gone“ oder „Licked by the tongues of pride“ suchen. Die Growls und Screams wurden deutlich zurückgefahren. Dennoch ein gewöhnungsbedürftiges aber gelungenes Werk.

Finntroll

Den Abschluss auf der Blackstage machten Finntroll. Mit Ihrem einzigartigen Ge­misch aus „Humppa“, „Death“, „Viking“ und Black-Metal legten die Finnen sich richtig ins Zeug. Der Sound war mal wieder perfekt, die gute Bühnenpräsenz trug Ihres dazu bei. Nur der neue Sänger Mathias „Vreth“ Lillmåns überzeugte Gesangstechnisch, wirkte aber vor dieser großen Menschen­menge noch ein wenig Finntrollverhalten, was bei der seht kurzen Mitgliedschaft zu verstehen ist. Auffällig war der zurückgeschraubte Anteil an „Humppa“. Dominierte dieser bis jetzt noch den Stil der Band, so kam jetzt eher die „Death“ und vor allem „Black“ – Schiene zum tragen. Letzten Endes reduziert meiner Meinung nach dieser Schritt ein wenig die Band, da es doch einen starken Teil Ihrer musikalischen Identität ausmachte und sie somit ein wenig in den Sog vieler ähnlich klingender Bands gezogen wird. Geht man diesen Schritt zu weit, geht die Einzigartigkeit verloren.

Subway to Sally

Lange weigerte ich mich die Potsdammer live zu sehen, da ich sie immer in einem Topf mit „In Extremo“ schmiss und die Stimme von Eric Fish als schlechter wie die Michael Rheins empfand. Dennoch gab ich Ihr dieses mal auf vielfaches drängen hin eine Chance und wurde mehr als belohnt. Auch wenn ich mit der Art der Interpretation von Folk – Metal bis auf ein paar Ausnahmen hadere, muss icSubway to Sallyh sagen, dass dieser Auftritt einfach bombastisch war. Schon lange vor dem Auftritt war das Publikum da und sang voller Innbrunst „Julia und die Räuber“. Die Bühnenshow war einfach umwerfend. Schon der simulierte Schnee bei „Schneekönigin“ ließ einen in eine andere Welt eintauchen. Spätestens bei „Kleid aus Rosen“ war auch der letzte Zweifler von den Live-Qualitäten „Subway to Sallys“ überzeugt. Die Stimme Eric Fishs erscheint auf der Bühne viel angenehmer als im Studio. Insgesamt kam die Band viel rockiger und eingängiger als auf Scheibe zutage, ließ von den Riffs manchmal sogar an Rammstein erinnern. Ein krönender Abschluss eines großartigen Festivals, was insbesondere dem fantastischen Subway to Sally – Fans zu verdanken war. Diese Band kann mit Fug und Recht von sich behaupten, die besten Fans zu haben.

 

Fazit:

Über ein Line-Up auf einem Festival kann immer lange diskutiert werden, da ja Gott sei Dank Geschmäcker bekanntlicher weise verschieden sind, ist daher in der Betrachtung nur gering gewichtet. Sonst bleibt nur zu sagen, dass dieses Festival einfach in allen Belangen der Hammer war. Gute Organisation, guter Musikmix. Klasse Fanbase. Besser geht es im Metal nicht.

Mittwoch - Donnerstag - Freitag - Samstag

Christian S.

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