Summer Breeze 2008

Samstag (16.08.2008)


Debauchery

Die erste Band, die am Samstag auf dem Programm stand, waren Debauchery. Trotz der frühen Uhrzeit (11.00 Uhr) hatte sich eine recht große Menschenmenge Impressioneneingefunden und der Platz vor der Painstage war gut gefüllt. Debauchery präsentierten sich stilecht blutüberströmt mit melodisch eingängigem Death Metal. Sie spielten einige Tracks ihres neuen Longplayers „Continue to kill“ und auch einige ältere Stücke aus dem Album „Torture Pit“. Als letztes warteten sie mit ihrem wohl bekanntesten Song auf: „Blood for the Bloodgod“, welcher das Publikum zum lautstarken mitgrunzen animierte. Leider wurde die Band nach diesem Kracher recht abrupt abgewürgt. Die anwesende Menge an Leuten hätte sicherlich einen besseren Platz in der Running Order und eine etwas längere Spielzeit gerechtfertigt.

The Old Dead Tree


The Old Dead Tree, eine hierzulande eher unbekannte französische Band, kam mit ihrer zeitweilig träge und Selbstmitleids-ertränkt wirkenden Mixtur aus Gothic und Progressive Metal bei den wenigen anwesenden Zuschauern nicht so richtig an. Der Großteil von ihnen stand halbmotiviert herum und ließ das aus den drei Longplayern zusammengestellte Geheul von Gilles Moinet und seinen Mannen über sich ergehen – Partystimmung ist anders. Der Bühnenname „Pain Stage“ wurde durch diese Performance in ein ganz neues Licht gerückt.

Autumn

Niederländischen Symphonic-Metal, der allen Abgrenzungen zum Trotz Erinnerungen an The Gathering zu Zeiten von Anneke van Giersbergen wach werden ließ, gaben Autum zum besten. Welch eine Erfrischung nach der langen halben Stunde mit The Old Dead Tree! Zunächst war der Gesang der neuen Sängerin Marjan Welman, die Nienke de Jong seit ein paar Monaten ersetzt, zu leise. Das besserte sich jedoch innerhalb der nächsten Minuten, und die klavier- bzw. keyboardlastigen Stücke tönten dann sehr harmonisch aus den Boxen. Die Setlist bestand zu 50% aus Songs vom aktuellen Longplayer „My New Time“. Man kann da geteilter Meinung sein - wir fanden, dass Marjan den Platz von Nienke sehr gut ausfüllt. Stellenweise war der Klang der Stimme natürlich ein wenig anders; dies war jedoch nie unangenehm.

Sonic Syndicate

Aktuell eher häufig in unseren Breiten anzutreffen ist die schwedische Kapelle Sonic Syndicate. Der „(Un)true nuclear metal“, den man auch im Sonic SyndicateFach „Metalcore“ einsortieren könnte, klingt live mit jedem Auftritt besser und stellt mittlerweile auch die Studioaufnahmen in den Schatten. Man könnte fast meinen, frühere Konzerte waren im Vergleich zur heutigen Pain-Stage-Performance nur Generalproben. À propos Generalproben – Die Band kündigte ein neues Album an und testete auch gleich neue Tracks am Breeze-Publikum. Dieses bestand der Uhrzeit entsprechend auch aus zahlreichen Menschen, die vom  rasanten Keyboard-Core und der Mischung aus Grunts, Screams und mehrstimmigen cleanen Vocals sichtlich begeistert waren, lauthals mitgrölten und schweißüberströmt herumsprangen. ansonsten war es wenig überraschend, dass die Songauswahl aus den erfolgreichsten Songs der beiden Silberlinge „Eden Fire“ und „Only Inhuman“ bestand.

Heaven Shall Burn

Munter weiter ging es mit einer Kombo, die aggresive Musik des gleichen Stils produziert, wenn auch hier die Gitarre viel ausschließlicher im Vordergrund steht als bei Sonic Syndicate und es praktisch keine cleanen Vocals gibt. Sänger Marcus Bischoff verausgabte sich und schrie die Texte, die im Gegensatz zu denen Heaven Shall Burnanderer Bands stets eine kritische und oft auch politische Message haben, ohne unterlass hinaus. So schuf die Band eine akustische Dampfwalze, die niemanden still stehen ließ und so die Fans an und auch über den Rand der Erschöpfung brachte. Im Kontrast zuckersüß waren hingegen die Ansagen des Fronters, die der Thüringer im nicht zu überhörenden Dialekt von sich gab. So forderte er von der gigantischen Zuschauermenge mehrere Walls of Death und in einem Anflug von Größenwahn auch noch gleichzeitige Circle Pits um den Turm. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache, auch wenn die Band plant, den das Videomaterial des Auftritts für eine Live-DVD zu verwerten. Vielleicht auch wegen der geplanten DVD wurden überwiegend die Lieder der jüngsten Platte heruntergeknüppelt, untermalt wurde das alles von einer netten Light Show mit LEDs, die ungefähr in dieser Form vor 2-3 Jahren häufig bei In Flames zu sehen war. Insgesamt ein überragender Auftritt, der sicherlich vielen in guter Erinnerung bleiben wird.

Mustasch

Im Zelt waren nun Mustasch angekündigt. Die im Moment noch eher als Geheimtipp gehandelten Schweden spielten eine eingängige Mischung aus Rock’n’Roll und Metal die das leider etwas spärlich anwesende Publikum zu ein oder anderen Hüpfeinlage hinriss. Als sie am Ende ihres Auftritts den Hit „Double Nature“ anstimmten,  kannten die Zuschauer kein Halten mehr und gröhlten lautstark mit. Mit diesem Auftritt dürften Mustasch einige Fans hinzugewonnen haben und ihren Status als Geheimtipp dürften sie nicht mehr lange behalten.


Anathema

Wer Anathema noch zu Zeiten kennengelernt hat, in denen die Briten Black- und Doom Metal spielten, wird bezeugen können, wie sehr sich ihre Musik gewandelt hat. So waren die letzten Outputs vom Härtegrad her schon vermehrt in der Richtung Rock/Pop einzuordnen. Dementsprechend war es sehr erfreulich, Anathemadass sie doch noch ein paar wenige ältere Songs darboten – allerdings nicht annähernd in der altbekannten Form. Der epische Klassiker „A dying wish“ war nur noch an der Gitarre in groben Zügen wiederzuerkennen, der Gesang todlangweilig und als Krönung wurde noch mitten im Song Pink Floyds „Another Brick in the Wall“ angespielt. Mehr hätte man es fast nicht ruinieren können – ausser vielleicht noch mit einem fetten HipHop-Beat. Hinzu kamen kleinere Soundprobleme und ein durchweg zu lautes Keyboard. Die neueren Songs, die für die „langweilige“ neuere Tonlage von Frontmann Vincent Cavanagh geschrieben wurden, waren annehmbar – aber eben seichter Rock und Pop auf einem Metal-Festival. Die Aussicht, die kastrierten Versionen der Stücke auch noch als CD kaufen zu können, erscheint wenig verlockend. Der traurige Niedergang einer Doom-Legende, passenderweise wie bei The Old Dead Tree wieder auf der Pain-Stage.

 

Donnerstag - Freitag - Samstag

Anja Späte, Torsten Sailer, Oliver Fritsch

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