Summer Breeze 2008

Donnerstag (14.08.2008)


All Ends

All EndsAll Ends, ursprünglich als Side-Project von In Flames-Mitgliedern gegründet, lockten am frühen Nachmittag verhältnismäßig viele Leute vor die Pain Stage. Ihr von weiblichem Gesang geprägter Gothic-Metal erinnert stark an Genre-Größen wie z.B. The Gathering, Autumn oder Bloodflowerz. Besonderes Merkmal der Truppe sind ihre zwei Sängerinnen: Emma Gelotte und Tinna Karlsdotter. Diese heizten den vorderen Reihen kräftig ein, während bei den mittleren bis hinteren Reihen des Publikums den Großteil des Auftritts eher ruhiges und geneigtes Zuhören zu beobachten war. Dies ist in sofern nicht verwunderlich, da das Debutalbum der Schweden erst diese Tage erscheinen wird.

Emil Bulls

Im Anschluss ging es auf der Main Stage mit der Münchner Metal-Core-Band Emil Bulls weiter. Was sofort ins Auge stach, war das blendend helle karierte Hemd des Sängers Christ (ja, er nennt sich wirklich so). Nichts desto trotz ein überzeugender, kraftvoller Auftritt der erfahrenen Band, der nur einen Schwachpunkt enthielt – „Symphony of Destruction“ zu covern, war bei der Stimme des Sängers doch ein zu abitioniertes Vorhaben, dass sie lieber gelassen hätten.

Aborted

Die belgische Band Aborted legte die Pain Stage mit kompromisslosem Deathmetal in Schutt und Asche. Sänger Sven de Caluwé legte auf der Bühne einige Kilometer zurück und fönte die Fans ordentlich. Belohnt wurde der Einsatz von der Menge mit einem Wall of Death und jeder Menge wildem Gemoshe. Laut Wetterbericht sollte es eigentlich regnen, aber die Sonne heizte den Platz doch ziemlich gut auf, so das die Wasserspritzer angeworfen wurden und in den vorderen Reihen doch kühler Regen niederging. Sie spielten 7 Titel – wobei man teilweise doch Probleme hatte, diese live wiederzuerkennen. Trotz allem eine technische Meisterleistung.

Soilwork

Soilwork„Are you ready?“ Die Schweden Soilwork rockten mit MelodicDeath Metal die Main Stage, vor der sehr viele Fans zu den eingängigen Songs abgingen. Die Sonne ließ sich weiter konsequent blicken, was die Stimmung im Publikum noch erhöhte. Sänger Björn „Speed“ Strid schrie, sang und gröhlte ihnen auch den Marsch, und so waren die Fans auch zu einer „Wall of death“ epischen Ausmaßes bereit, und feierten jedes Lied der nur aus erfolgreichen neueren Songs zusammengestellten Set-List bis hin zur Zugabe „Nerve“.

Arch Enemy

Arch EnemeyDie international sehr erfolgreichen Erzfeinde demontierten an frühen Abend die Main Stage. Sie spielten vor „gefülltem Platz“ praktisch nur bekannte Songs. Der Sound des Konzerts war für den sonst an diesem Tag eher mäßigen Klang der Hauptbühne erstaunlich gut; bei fast allen anderen Auftritten waren  Ohrstöpsel unerlässlich, wenn man die schneidenden Höhen nicht die ganze Zeit ertragen wollte. Die vielen immer wieder aufbrandenden Zuschauerchöre und die zahlreichen Crowdsurfer, die sich gegen die blendende untergehende Sonne abzeichneten, bewiesen eindrucksvoll, wie gut die starke Performance der Combo bei den anwesenden Fans ankam. Sängerin Angela Gossow sprach trotz ihrer deutschen Wurzeln bei den Anmoderationen viel Englisch, wie sie erklärte auch aus der Gewohnheit der vielen Konzerte im Ausland heraus. Auf Rufe aus dem Publikum, die „Ausziehen! Ausziehen!“ forderten, konterte die Frontfrau „Ausziehen? Chauvie!“ und murmelte etwas auf englisch, dass sie die Bierbäuche der ‚Chauvies’ ja auch nicht blank sehen wolle. Ein Auftritt, der alles weggeblasen hat.

Paradise Lost

Paradise LostErfolgreich die Krise der letzten Jahre gemeistert haben die Briten Paradise Lost und ihr charismatischer Fronter Nick Holmes, was besonders stark auffiel, wenn man den 2002er-Auftritt der Band auf dem Summer Breeze noch vor dem geistigen Auge hatte. Vor allem Herr Holmes wirkte wie aus einem langen Schlaf erwacht und voller Tatendrang. Auch er erinnerte sich des Konzerts vor 6 Jahren und stellte fest, dass mehr und zu seiner Überraschung auch jüngere Fans anwesend waren. Witzig war die Reaktion von Nick, als er einen auf die Bühne fliegenden Becher fing. Er tat so, als würde er darin den Tiger aus dem Tank lassen, und warf ihn dann zurück in die Menge. Auch der zwischen zwei Songs angebrachte Kommentar „Nice cock! Just like my size…“ entlockte vielerorts ein Grinsen.
Der mitreissende Auftritt an sich stellte von der Paradise LostSongauswahl her einen Querschnitt durch die 20-jährige Bandgeschichte dar. Von für den Gothic Metal stilprägenden Ohrwürmern wie „As I die“ und „Enchantment“ über „Say just words“ bis hin zu „The Enemy“ wurde sowohl langjährigen als auch erst kürzlich auf den Geschmack gekommenen Anhängern alles geboten. Schade war, dass der Gesang bei den ersten Songs zu leise abgemischt war – es kamen nur die wirklich lauten Parts zur Geltung, was die ungerechtfertigte Kritik aufkeimen ließ, dass der erfahrene Sänger die Töne nicht träfe. Alles in allem ein gelungener Auftritt mit sehr guter Stimmung.

Primordial

PrimordialPrimordial aus Irland gewannen das Publikum von der Pain Stage aus mit epischen, ausschweifenden Pagan Metal Songs, die sehr gut gemischt aus den Boxen tönten. Unterstrichen wurden diese von der zunächst befremdlich wirkenden Theatralik des Sängers. Er hatte eine Mischung aus Panda- und Panzerknacker-Schminke im Gesicht, und eine seiner liebsten Gesten schien es zu sein, mit ausgebreiteten Armen im Scheinwerferlicht zu stehen. Das schlichte Bühnenbild demonstrierte, wie man auch mit recht einfachen Mitteln wie Rauch und passend gewählten Farben eine geradezu für die Musik geschaffene Athmosphäre arrangieren kann. Hatte man sich erst an das Szenario gewöhnt, entdeckte man, wie wunderbar es zur Melancholie und Dramatik der einzelnen Stücke und den schwermütigen, wütenden Texten passte. LediglichPrimordial die vereinzelten Zwischenrufe wie „Yessss!“, die der Sänger mit hochmotivierter Stimme von sich gab, zerstörten zuweilen diesen Eindruck. Bei den Fans war viel klassisches Moshen zu sehen, kein wilder Teenie-Pogo oder besinnungsloses Crowdsurfen. Die Band bot eine Auswahl vorrangig aus ihren letzten beiden Alben. Sänger Alan verriet nebenbei, dass die Band den Auftritt aus gesundheitlichen Gründen fast hätte absagen müssen – gut, dass die medizinische Betreuung auf dem Festival das noch in letzter Minute hinbiegen konnte.

Helloween

HelloweenAls Headliner legte mit Helloween eine der Bands los, die jedem Kind ein Begriff ist. Sie ließen sich von einer schier unglaublichen Masse von Leuten bejubeln, und als ob es nochmal extra anzukündigen wäre, spielten sie „Helloween“ als ersten Song. Gitarisst Michael Weikath ließ posend die Seiten glühen, Sänger Andi Deris unterhielt die Menge, und die Band beglückte ihre Fans mit Titeln wie „March of Time“ und dem noch nicht ganz so betagten „As Long As I Fall“.Der Schlagzeuger machte seinem Namen alle Ehre und  hämmerte auf einem Monster voneinem Drumkit herum. Das Teil klang sehr mächtig und heizte die Menge immerHelloween wieder auf ein Neues an. Der riesige „Gambling with the Devil“-Bühnenhintergrund sowie die später noch dazugestellten Monster-Kürbisse trugen ebenfalls zur beeindruckenden Atmosphäre bei. Als Abschluss servierte die Band den Fans dann „I Want out“ und „Future World“, was die Stimmung definitiv auf den Höhenpunkt brachte und den glorreichen Auftritt schön abrundete.

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Anja Späte, Torsten Sailer

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