Summer Breeze 2007

Samstag (18.08.2007)


Sycronomica

Noch bevor die Sonne am höchsten Stand, schlugen Sycronomica Töne an, die sonst eher in die Dunkelheit der Nacht gehören. Die Band spielte Black Metal der Marke Dimmu Borgir, und wusste trotz der Uhrzeit doch einige eingefleischte Fans vor die Bühne zu locken, die das gesamte Konzert durchmoshten. Der eingängige Sound der Songs und die in Anbetracht des Platzes in der Running Order auffallende Virtuosität der Bandmitglieder lassen für die Zukunft hoffen, dass der eigentlich schon alt eingesessenen  Band endlich der große Sprung gelingt.

Helrunar

Der Pagan-/Folk-Metal von Helrunar bestach durch viele atmosphärische Stellen, mit denen sich die Band durchaus von vielen anderen ihres Genres abhebt. Allgemein erfreut sich Pagan gerade einer wachsenden Beliebtheit, und davon dürfte die Band durchaus profitieren bzw. leistet einen ansehnlichen Beitrag hierzu.

Secrets of the Moon

Dass strahlender Sonnenschein „Scheißwetter“ ist, konnte man von Secrets of the moon lernen, deren Sänger sich hierfür beim Publikum erstmal entschuldigte. Epische 15-Minuten-Songs, irgendwo zwischen Progressive und Black Metal, zogen den geneigten Hörer schnell in ihren Bann, und entschädigten für die ganz nach Genre-Manier eher statische Bühnenshow. Der Auftritt war auch hier eine vielversprechende Visitenkarte, die die Vorfreude auf kommende Werke der Combo noch steigert.

Die Apokalyptischen Reiter

Wie immer, wenn die Reiter spielen, sind einige Teile der Setlist im Stile einer „Best-of“-Zusammenstellung fest gesetzt – und gefühlte 300 Crowdsufer unterwegs. Und wie immer guckte sich der Sänger ein Opfer aus, das er zum KeyboarderDie Apokalyptischen Reiter Dr. Pest in den Käfig stecken konnte. Diesmal suchte er sich die erste Crowdsurferin aus, die er sah. Sie kamnur sehr widerwillig auf die Bühne und versuchte mehrfach, „heimlich“ zu verschwinden. Dies brachte ihr jedoch nur den Spott des Sängers und eine noch schnellere Verfrachtung in den Käfig ein. Das Comedian-Potential der Bandmitglieder wurde ein weiteres Mal offenbar, als Dr. Pest dann noch aus dem Käfig ausbrach und versuchte, den Sänger auszupeitschen. Des Weiteren wurde das bekannte Schlauchboot-Crowdsurf-Wettrennen veranstaltet, an dem zwei australische Fans gegen zwei deutsche antraten. Als die Band dann noch eine rasch wachsende Menge an Crowdsurfern sowie einen Exhibitionisten auf die Bühne baten, der seinen Schottenrock nur zu gern über dem Kopf hin und her wirbelte (und die Unterwäsche wohl im Zelt gelassen hatte), war das Chaos für die Security und damit das Spektakel von Konzert komplett. Ein Kompliment an die Kapelle für das unterhaltsamste Konzert des Festivals.

Dark Tranquillity

Dark Tranquillity waren in Deutschen Landen in den letzten Jahren eher häufiger zu Gast und so war es sehr erfrischend, dass sie anstatt einer ZusammenstellungDark Tranquillity der erfolgreichsten Songs ihr neues Album Fiction fast komplett runterspielten und immerwieder nachfragten, was die Fans an alten Songs hören wollten. Wie der sympathische Fronter Mikael Stanne richtig bemerkte, waren im Vergleich zum Summer-Breeze-Auftritt vor zwei jahren mehr Leute anwesend. „What the fuck did happen?“ – „I guess something good happened“ strahlte er. Die Spielfreude und Begeisterung ist der Band und vor allem Mikael wie immer auch auf diesem Konzert fühlbar anzumerken. Letzterer wirkt immer, als wöllte er sein Publikum am liebsten komplett in den Arm nehmen und knuddeln - ein im Metal-Bereich seltenes Paradoxon, das ansteckend Fröhlich macht.

Moonsorrow

Wer Moonsorrow schon auf anderen Festivals diesen Sommer gesehen hat, wird festgestellt haben, dass sie aktuell häufig ein sehr ähnliches Set spielen: beide Songs von V – Hävitetty in Auszügen sowie Pimeä, einen neuen Song über – O-Ton Sänger Ville Sorvali – „große Steine“ und Sankaritarina. Die Kombination aus Moonsorrows meist über-10-Minuten-Songs und der 45 Minuten Spielzeit ließ leider nicht mehr zu, obwohl die Alben mehrere Stunden abwechslungsreiches Pagan-Material mit Black-Einschlag auf alle Fälle hergeben.
Der immer wieder zu Tage tretende ironische Humor von Ville äußerte sich auch in der folgenden Aufforderung, die von vielen Bands kommt, jedoch noch selten mit dieser Wortwahl: “Bratwurst-nation, I have one question for you. Can you be loud?” – Es folgte lautes Gegröle der Fans.  “Sing with us” verlangte er für das Abschlusslied Sankaritarina, und wurde auch mit einem mächtigen Zuschauer-Chor belohnt. Im Verlauf der 45 Minuten vergrößerte sich die Menschenmenge vor der Pain Stage minütlich, und Moonsorrow dürften durch dieses souveräne Konzert bestimmt den einen oder anderen neuen Fan gewonnen haben.

Oomph

Meine Erwartungshaltung war sehr groß. Stand doch die wahrscheinlich mit Abstand kommerziell erfolgreichste Band auf dem Programm, die in unseren Breitengraden immer in einem Atemzug, wenn auch nicht mit einem nahe kommenden Stellenwert, mit Rammstein genannt werden. Dementsprechend enttäuscht wurde ich. Das war ja mal gar nichts. Zumindest eine überzeugende Performance einer derart bekannOomphten Kapelle darf man doch erwarten. Doch anscheinend reichen zwei Singles und ein wenig Hipe, um eine (ja, ich spreche es jetzt aus, auch wenn ich schon die Proteste euren Lippen ablesen kann) billige Rammstein-Kopie schon aus, viel Geld dem Kommerz abzuschöpfen und sich eine derart gute Position in der Running Order zu ergattern. Und wenn es diese Band schon zehn mal länger als Rammstein gäbe, die den Nachbarn unseres schönen Ländchens Deutschland als eine der ersten typisch deutschen Dinge einfallen, auch dann wären Sie nur zweite Liga. Man kann diesen Auftritt noch als halbwegs solide bezeichnen, aber in Kombination mit der hohen Erwartungshaltung kann ich reinen Gewissens nichts besseres als zwei Minus an dieser Stelle vergeben.

Caliban

Caliban spielten vor einer großen Menge an Fans, die sie sich über die Laufe der Jahre hart erarbeitet haben. Nicht umsonst gelten sie inzwischen als die Metalcore KönigCalibane Deutschlands. Viel Erfahrung konnte sicherlich auch auf den Amerikatouren und als Support von Killswitch Engage, an denen sich die ganze Stilrichtung ausrichtet, in Japan gewonnen werden.
Leider wurde mit „I will never let you down“ nur ein Lied ihrer erstklassigen neuen Platte gespielt. Der Rest der Setlist setzte sich aus Stücken vergangener Tage zusammen. Dennoch war es der Band ein leichtes, die Massen zu mobilisieren und sie wusste mit einem starken Sound und einer energiegeladenen Performance zu überzeugen. Vor allem Andy Dörner jagte mit seinen Growls und Screams einen Schauer nach dem anderen über meinen Rücken.
Sicherlich nicht jedermanns Sache sind die von der Band gern noch geförderten Massenpogo-„Wall of death“-Orgien, die das Publikum während des Konzerts ordentlich durcheinander würfelten.

Soulfly

Immer wieder müssen sich Bands wie Ektomorf an diesem Maß aller Dinge des Tribal Metals messen lassen. Und bei mir bleibt wieder einmal die Frage offen: Warum eigentlich. Soulfly besteht wirklich nur aus erfahrenen Protagonisten, die Ihr Handwerk verstehen, aber dennoch ist der Sound viel zu basslastig, was man als Eintagsfliege erachten und sich beherzt auf den Mischer schmeißen könnte, hätte man nicht erst den gleichen Sound in Wacken erlebt. Abgesehen davon kann man von einem guten aber lange nicht so mitreißendem Konzert wie bei den eben angesprochenen Genrekollegen Ektomorf reden. Ein bisschen traurig mutet es an, dass am fenetischsten die Songs gefeiert werden, die unter dem federführenden Max Cavalera noch bei Sepultura entstanden sind. Und sein wir doch mal ehrlich. Die zwei Burner „Refuse resist“ und „Roots, bloody Roots“ sind für zwei Bands einfach zu wenig. Wer sich jedoch in Geduld üben kann, kommt bei diesen beiden Krachern garantiert dennoch auf seine Kosten.

Pain

Wieder einmal, wie könnte es auch anders sein, schloss Genie Peter Tägtren mit seinem Soloprojekt Pain die Pain Stage und das Festival insgesamt ab.Pain Der Workaholic in Person, der Meister der Augenringe, versteht esimmer auf der Bühne Dampf zu machen und haute einen Hit nach dem anderen raus. Erstaunlicherweisewurde eher ein Best of zusammengestellt, anstatt das neue Album zu präsentieren. „Suicide machine“, „End of the line“ und das wie immer fenetisch mitgegrölte „Shut your mouth“ wurden zum besten gegeben. Inzwischen muss sich dieses eher auf Metal-Discokracher als auf Black Metal spezialisierte Nebenprojekt sicher nicht mehr hinter Hypocrisy verstecken und stößt auf breite Zustimmung bei Fans und Kritikern.

Glücklich und zufrieden schon fast auf dem Weg Richtung Zelt wurde ich dann vom wohl besten Feuerwerk, dass ich jemals live sehen durfte im wahrsten Sinne des Wortes überrascht, obwohl ich dieser Ballerei generell eher weniger abgewinnen kann. Doch erweckte dieses den Eindruck, alle Feuerwerkskörper wären in Richtung Betrachter in einem beeindruckenden Halbkreis abgeschossen, was der Vorführung einen ganz besonderen und unvergesslichen Touch verlieh. Beeindruckend.

 

Fazit

Positiv: die recht kurz wirkenden Spielzeiten der einzelnen Bands erschienen zunächst als Kritikpunkt, entpuppten sich jedoch als Segen für alle, denen Zugabe-Rufe und „sich bitten lassen“ seitens der Bands auf die Nerven geht – denn die Bands achteten, soweit wir es gesehen haben, sehr auf Pünktlichkeit und verschwendeten keine Minute – einige fingen (vor allem am Freitag) sogar früher an zu spielen, als es geplant war.

Negativ: gegen den Schlamm vor den Bühnen am Donnerstag hätte man etwas unternehmen können, oder sind Rindenmulch und Stroh so teuer? Zu Gute zu halten ist, dass die Situation auf und vor den Campingplätzen sicherlich zu jenem Zeitpunkt mehr Aufmerksamkeit erfordert hat (nur eine von 13 Spuren zur Glaskontrolle war befahrbar, was einen stundenlang anhaltenden Stau verursachte).

 

Donnerstag - Freitag - Samstag - Fazit

Anja Späte, Christian Schneider

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