Magic Circle Festival 2009

Freilichtbühne Loreley, 18.07.2009

 

Nachdem das Magic Circle Festival in den beiden vorigen Jahren in Bad Arolsen stattgefunden hatte, stand dieses Jahr ein Ortswechsel an. Neuer Veranstaltungsort war die Freilichtbühne auf dem Loreley Felsen. Die halbrunde Form versprach eine gute Soundqualität und so durfte man gespannt sein  wie die einzelnen Bands und insbesondere Manowar die Möglichkeiten nutzen würden.
Nachdem übersetzen mit der Rheinfähre und einer kurvigen Anfahrt zum Festivalgelände, war man erstaunt, dass das Parken und der Einlass so problemlos und ohne Wartezeiten funktionierten. Und so konnte man sich gleich ins Getümmel stürzen.
Los gings mit:

Crystal Viper

Die Polen um ihre Frontfrau Marta spielten einen von verschiedenen Bands (z.B. Doro) beeinflussten Metal und konnten damit auch das jetzt schon recht zahlreich anwesende Publikum zu einem gelegentlichen Kopfnicken veranlassen. Als Abschluss spielte der Vierer noch „The Last Axeman“ aus ihrem Debutalbum. Alles in allem ein runder Auftritt.
Nach kurzer Umbaupause, gings weiter mit

Wizard

Auch diese Vorband bekam nur eine Spielzeit von gerade einmal einer halben Stunde, was sich allerdings in diesem Fall als Vorteil erwies. Durch die kurze Spielzeit war die Band gezwungen eine knackig-frische Auswahl ihrer Songs aus 20 Jahren Bandgeschichte zu präsentieren. Ihre Songauswahl stand ganz im Zeichen des Headliners. Die Band spielte unter anderem 'Hall of Odin', 'Iron War' oder 'Defenders of Metal'.


Burning Starr

Jack StarrJack Starr als Namensgeber stand mit den Stormwarriors als instrumentale Unterstützung auf der Bühne. Nachdem das Publikum durch die vorhergehenden Bands schon ordentlich aufgeheizt konnten Burning Starr das Publikum mit einem glänzend aufgelegten Sänger von sich überzeugen. Auch die Gitarrenarbeit von Jack Starr war ausgezeichnet und so kann man den Auftritt der Band als Highlight unter den Vorbands bezeichnen.

 

Van Canto

Die A capella Metaller von Van Canto waren die nächsten, welche sich mit einemVan Canto kurzen Auftritt präsentieren durften. Mit zahlreichen Coverversionen unterstrichen die 5 Musiker ihr Talent und schafften es das Publikum mitzureißen. Die Setlist war voll und ganz auf den Headliner abgestimmt (allein zwei Cover von Manowar), aber dennoch sehr überzeugend. Das wohlwollende Publikum ließ sich mitreißen und feierte mit der Band eine ausgelassene Party, welche leider recht kurz ausfiel, da auch Van Canto nur eine halbe Stunde Spielzeit eingeräumt wurde. Aber wie man so schön sagt: „In der Kürze liegt Würze“ und so war es sicherlich der überzeugendste Auftritt des Festivals.

 

Metal Force

Aber wer rastet der rostet, und weiter geht’s mit Metalforce. True Metal typisch in Leder und Nieten gekleidet, konnte die Bands 8 Songs während ihrer Spielzeit präsentieren. Die Band bot einen makellosen Gig, bei dem höchstens die mangelnde musikalische Eigenständigkeit störte. Das Publikum ließ sich von der Musik einfangen und machte bei den zahlreichen Animationen von Tarek bereitwillig mit, was auch durch ihre kraftvollen Hymnen an den Metal zu erklären ist. Ein angenehmer Auftritt, der das Warten auf den Headliner versüßte.

Domain

präsentierte sich großartig aufgelegt. Nach dem gewaltigen Intro, welches an das Werk klassischer Komponisten erinnerte, legte die Band los. Obwohl das dargebotene Material musikalisch in Ordnung war, wollte der Funke nicht überspringen, was vielleicht daran liegen könnte, dass Domain der Druck fehlt um das auf Manowar eingestellte Publikum wirklich zu überzeugen. Abgesehen davon war es ein guter Auftritt.


Holy Hell

Der 5er um Ex-Manowar Schlagzeuger Rhino und Sängerin Maria Breon boten Holy Helleine sehr gute Show. Schlagzeuger Rhino trommelte sehr überzeugend und auch Maria schöpfte ihre zwar nicht überirdischen, aber dennoch großen stimmlichen Möglichkeiten sehr gut aus. Die Präsentation einiger Stücke ihres eben erschienenen Debutalabums „Holyhell“, begeisterte das Publikum. Abgesehen vom obercoolen Posing der Gitarristen, eine sehr gute Performance.
Nun gab es eine musikalische Verschnaufpause der besonderen Art:

Ulytau

Nach einigen Problemen mit der Technik ließ es ich Joey nicht nehmen die Kasachen persönlich anzukündigen. Die Zentralasiaten Ulytaupräsentierten sich in den exotischen Outfits ihrer Landestracht und landestypischen Instrumenten. Die Musik kann am besten als Verbindung von Folklore und metallischen Klängen beschrieben werden, was sehr gut gefiel. Alle Stücke waren rein instrumental, was den geneigten Zuhörer, sofern er nicht mit den Augen auf der Violinistin lag, zu einem musikalischen Hochgenuss verhalf. Auf jeden Fall ein Farbtupfer im Programm.
In Riesenschritten nähern wir uns dem Höhepunkt des Abends, nur noch ein Band trennt uns von Manowar:

Kingdom Come

Kingdom ComeNachdem die erfolgreichsten Zeiten der Band um Lenny Wolf nun schon ein paar Jährchen zurückliegen, durfte man gespannt sein wie die Band sich präsentiert und wie sie beim Publikum ankommt. Mit zwei nett anzuschauenden Fahnenschwenkerinnen, kamen Kingdom Come auf die Bühne. Die Damen störten zwar eigentlich niemanden außer die anwesenden Fotografen, allerdings muss ihr Sinn doch etwas bezweifelt werden. Musikalisch gab sich die Band keine Blöße, doch wollte der Funke nicht recht überspringen. Dies lag vielleicht auch daran, dass der Led Zepplin ähnliche Sound, bei einem von Manowar eingenommenes Publikum nicht so ankommt.

Manowar


ManowarUnd dann war es soweit: Zum ersten Mal bei diesem Festival mit einerlängeren Umbaupause und mit 15-minütiger Verspätung kamen die lang ersehnten Götter des True Metal auf die Bühne: Manowar. Die Musiker sind glänzend aufgelegt und motiviert, am Schlagzeug ist auch ein Rückkehrer zu begrüßen: Donnie Hamzik. Eric Adams strahlt sogar über beide Ohren, als er die Location in den Himmel lobt, da es Zitat „das größte für einen Amerikaner ist, wenn er Schloss an Schloss sieht“. Den Anfang machte das Doppel aus „Manowar“ und „Blood of my Enemies“. Der Sound kam auch bei den anderen Stücken sehr gut rüber. Ausnahme war das trommelfellzerfetzende Solo-Geträller von Eric Adams während „Spiel-mit-dem Publikum“-Viertelstunde und das nicht weniger schmerzhafte Basssolo Joey’s. Den Abschluss des ersten Konzertteils bildete die Hymne „Hail and Kill“, welche sehr Manowareindrucksvoll dargeboten und vom Publikum auch in gebührender Weisemitgesungen wurde.
Als dann nach kurzer Pause die Band wieder auf die Bühne kommt, traut man allerdings seinen Ohren nicht. Anstatt die aufgeheizte Stimmung des Publikums nutzen, versteigt sich Joey in ein wildes Geflame in Richtung des Betreibers der Freilichtbühne und der Kollegen von den Printmedien. Offenbar gab esManowar im Vorfeld Streitigkeiten über die Gewinnbeteiligungen des  Betreibers,daher musste Manowar ihren T-Shirt-Stand außerhalb des Geländes aufbauen. Zum Abschluss der Tirade kam noch die Abwertung der zuvor hochgelobten Location zu einem „Shithole“ in dem man nie wieder spielen werde.
Herzlichen Glückwunsch Manowar, damit hattet ihr es geschafft die Stimmung des Publikums zu zerstören. Und das noch bevor der musikalische Teil der Zugabe begann. Dieser bestand aus der Darbietung  der neuen EP, welche kurz vom Manowarsympathischen Wolfgang Hohlbein angekündigt wurde. Die Stücke wurden wieder in der gewohnten Qualität präsentiert, aber wie schon erwähnt, war die Stimmung so weit abgekühlt, dass sogar einige Zuschauer das Konzert frühzeitig verließen. Nach „God Or Man“ dem besten Stück er EP, wurde dann noch mit 20 minVerfrühung ein hastiges „We will return“ in die Runde geworfen und „The Crown and the Ring“ vom Band eingespielt.
Leider wurden viele Klassiker von Manowar bei diesem Konzert ausgelassen, was ich persönlich sehr schade finde. Auch die Hasstirade in der Mitte das Auftritts gehört nicht auf eine Bühne. Sollte es wirklich Streitigkeiten gegeben haben, so ist eine Sache für Anwälte. Ein Erlebnis war dieses Festival auf jeden Fall.

 

Oliver Fritsch

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