Deep Purple, Gotthard

14.11.2008, Karlsruhe Europahalle

Wie 7000 andere Seelen hatte es mich in die Europahalle nach Karlsruhe verschlagen um eine echte Hardrocklegende zu sehen. Keine geringeren als Deep Purple gaben sich die Ehre. Dazu später mehr, denn auch die Vorband sollte erwähnt werden.

Als Vorband wurde Gotthard engagiert. Gotthard ist in der Schweiz Gotthardunglaublich erfolgreich und hat seit der Gründung 1990 schlappe 12 Nummer 1 Alben in der Alpenrepublik auf den Markt gebracht. Und ähnlich schnell wie die nationalen Charts eroberten die Schweizer auch die badische Bühne. Die Uhr zeigte noch nicht ganz 20 Uhr an, da ging es auch schon los. Gotthard konnte es wohl nicht erwarten zu rocken und in der Tat zeigte die Band eine ansteckende Spielfreude. Eingängige, rockige Melodien und ein blendend aufgelegter Steve Lee als Frontmann brachten die Fans in der Europahalle mächtig ins Rasen, so dass Gotthard am Ende des Auftritts sogar mit „Zugabe“-Rufen in den Feierabend verabschiedet wurde.

Und nun war es so weit: Deep Purple im 40. Jahr nach Gründung on stage. Zwar standen hier insgesamt über 300 Jahre auf der Bühne, wer aber eine AltherrenveranstaDeep Purpleltung erwartet hatte, wurde glücklicherweise enttäuscht. Zwischen den ersten drei Liedern gab es keine Pause und die Fans kamen somit erst nach einer Viertelstunde zum Jubeln. Dies glich dann aber auch einem Orkan, die Stimmung war an diesem Abend ausgezeichnet. Und die Engländer legten weiter eine absolut beeindruckende Vorstellung an den Tag. Keyboarder Don Airey ließ seine Finger in atemberaubender Geschwindigkeit über die Tasten seiner unzähligen Instrumente gleiten. Dies war auch über die zu beiden Seiten der Bühne angebrachten Videoleinwände bestens zu verfolgen, die perfekt eingesetzt wurden. Man hatte hier wirklich die Gelegenheit den Musikern auch in längeren Sequenzen quasi über die Schulter zu schauen. Dies schaffte einen hervorragenden Einblick in die an Kunsthandwerk erinnerten Fähigkeiten der Musiker. Diese wurden von der hervorragenden Lichttechnik auch immer wieder bestens in Szene gesetzt.

Es war also rundherum alles bestens aufeinander abgestimmt. Und das galt natürlich auch für die Band selber. Es war wirklich beeindruckend wie gut alles miteinander harmonierte und wie selbst nach exzessiven Soli der Übergang in den „normalen“ Verlauf der Lieder völlig reibungslos vonstatten ging. Fast alles wirkte an diesem Abend herrlich einfach, nur Sänger Ian Gillan machte mitunter einen angestrengten Eindruck. Die Mühen lohnten sich, denn gesanglich war freilich nichts auszusetzen. Wer 100 Millionen Alben verkauft hat kann natürlich auf ein üDeep Purplebergroßes Repertoire an Hits zurückgreifen. Hits wie „Child in Time“, „Speed King“ oder „Woman from Tokyo“ gab es an diesem Abend nicht auf´s Ohr. Trotzdem war das Konzert durchgehend auf einem hohen Niveau, so dass sicher niemand an diesem Tag enttäuscht nach Hause ging. Deep Purple gaben einen Überblick über jede Schaffensphase der Band in den vergangenen Jahrzehnten, was sehr angenehm auffiel. So ungern ich mich normal wiederhole, aber die Solis an diesem Abend können nicht genug gelobt werden. Schlagzeuger und Bassist kamen erst spät zu Ihren Rechten, die Stars waren ganz klar Don Airey am Keyboard und Gitarrist Steve Morse. Ersterer startete sein Solo mit einer eigenen aber gelungenen Anspielung auf Bachs „Toccata und Fuge“. Hier war viel künstlerische Freiheit dabei, zurecht, stand doch ein echter Meister seines Fachs auf der Bühne. Das Solo endete dann mit Haydn, genauer gesagt mit der Melodie für den Österreichischen Kaiser oder die Deutsche Nation, ganz wie Sie wollen. Steve Morse ließ sich natürlich auch nicht bitten und zeigte ebenfalls sein gesamtes Können. Beeindruckend sein Gitarrenspiel, so schnell kann ich meine Finger nicht mal unkoordiniert bewegen. Das tolle Publikum beklatschte beide Darbietungen entsprechend ausgiebig.

WDeep Purpleie es sich für eine Band von diesem Format gehört konnten die Fünf auf der Bühne immer und immer wieder noch einen drauflegen. Sie spielten nun einige Lieder Ihres Hammeralbums „Machine Head“, welches 1972 in mehreren Ländern auf Platz 1 landete und als Wegbereiter des Heavy Metal gilt. Yeah! Und dementsprechend rockte die Europahalle, perfekter Sound und eine hardrockwürdige Lautstärke taten das Ihre, die Stimmung schien Ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Spätestens zum jetzigen Zeitpunkt wären alle Zuhörer zufrieden nach Hause gegangen. Was für ein Geschenk für eine Band ist es dann, wenn Sie dann noch absolute Welthits in Peto haben. In vollem Bewusstsein spielten Deep Purple diese Trümpfe nun auch aus. Fast alle Lichter gingen nochmal aus, die Fans durften sich 30 Sekunden austoben (was sie freilich taten) und dann kam der wohl berühmteste Gitarrenriff der Welt: Smoke on the water! Nun gab es natürlich kein Halten mehr, es ist auch unmöglich nun nicht voll mitzugehen. Luftgitarre, Headbanging, lautes Mitsingen, alles war nun natürlich geboten. Die Halle kurz vor dem Überkochen.

Die Briten ließDeep Purpleen sich nochmal feiern, logisch, es ertönten die üblichen „Zugabe“ Rufe. So kamen sie dann nochmal auf die Bühne und spielten mit „Black Night“ einen weiteren Kracher, gestreckt auf 20 Minuten ohne erkennbaren Qualitätsverlust. Nun kamen auch Roger Glover am Bass sowie der Schlagzeuger Ian Paice, immerhin einziges noch aktives Grundungsmitglied, zu Ihren Solirechten. Beide erledigten Ihre Aufgaben auf höchstem Niveau.

Deep Purple ist eine Band die in Ihrer langen Geschichte viele verschiedene Besetzungen hatte. Geblieben ist ein beeindruckendes musikalisches Vermächtnis, das in perfekter Manier dargeboten wird.

 

Daniel Trumino
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